Copyright – Ansichtssache?

copyright.gifIst Copyright nur Ansichtssache? Zu dieser Überzeugung könnte man kommen, wenn man sich die Entwicklung im Fall "Sony BMG und das Rootkit-Disaster" einmal vor Augen führt.

Durch den Kopierschutz XCP der Firma First 4 Internet (F4I) wollte Sony BMG seine CDs schützen und unerlaubte Kopien unterbinden. Das die Kopierschutz-Software dabei RootKit-Funktionen benutze und seine Aktivitäten vor den Computernutzern versteckte sorgte nun weltweit für einen Aufschrei, zumal diese "Versteckspiel-Funktionen" der Software auch von Schädlingen mißbraucht werden konnten.

Sony BMG ruderte inzwischen zurück und nahm die betreffenden CDs vom Markt, doch schon rollt eine weitere PR-Misere auf den Musikriesen zu. Es verdichten sich inzwischen die Hinweise, das in dem von Sony BMG eingesetzten Kopierschutz  Routinen und Funktionen von unter der GNU Lesser General Public License (LGPL) bzw. der GNU Public License (GPL) stehender Software verwendet wurden. An die entsprechenden Software-Lizenz hat man sich allerdings nicht gehalten.

Wie z.B. Sebastian Porst in seinem Blog feststellt, benutzt der von F4I programmierte Kopierschutz Codefragmente aus Projekten wie z.B. dem unter der LGPL veröffentlichten Audio-Encoder LAME, dem ebenfalls unter der LGPL veröffentlichten AAC Encoder FAAC oder des unter der GPL veröffentlichten VideoLAN Media Player. Obwohl diese Lizenzen mit entsprechenden Auflagen hinsichtlich der Verbreitung und Veröffentlichung von Codeänderungen etc verknüpft sind, haben sich weder Sony BMG noch F4I an diese Auflagen gehalten.

Sebastian Porst ist aber nicht der einzige, dem Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind, wie man auf Muzzy’s research about Sony’s XCP DRM system, heise.de, golem.de oder SPON lesen kann.

Das führt einen unwiederbringlich zu der Frage, ist Copyright nur Ansichtssache? Gilt das Immaterialgüterrecht an geistigen Werken und die Auslegung deren Verwendung nur unter ökonomischen Aspekten? Sind Lizenzen, die geistiges Eigentum anderen Leuten mehr oder weniger zur freien Verfügung stellen unsinnig oder besser nichtig für diejenigen, die ihrerseits Ihr Eigentum mit allen erdenklichen Mitteln schützen wollen?

Zugegeben, Sony BMG hat, als Nutzer eines durch eine Fremdfirma entwickelten Kopierschutzes, wenig Übersicht über die Verwendeten Sourcen, was zumindest rechtlich etwas mildernd auf den Musikriesen wirken dürfte. Das viele verunsicherte Konsumenten (und Künstler?) nun auf andere Labels umsteigen, steht allerdings außerfrage und wie groß der Image-Schade für den Musikriesen letztendlich sein wird, wird wohl die Zeit zeigen ….