Hallo Tour de France

Die deutsche TV-Landschaft treibt doch manchmal recht erstaunliche Possen:

Nachdem die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF ihre Tour-Berichterstattung eingestellt hatten, wird ab sofort der Privatsender Sat.1 die Tour de France übertragen.

[…] „Sat.1 steigt mit sofortiger Wirkung in die Berichterstattung ein„, hieß es in einer Pressemitteilung. Seit 15 Uhr überträgt der Sender die elfte Etappe. Zuvor hatten ARD und ZDF die Rechte für 2007 zurückgegeben. Das sagte ein ARD-Sprecher dem sid. Erst daraufhin habe der private Konkurrent das Paket als Sublizenznehmer erwerben können. [… SPON]

So weit so gut, was ich aber nicht verstehe ist die Tatsache, das der Privatsender auf der einen Seite die Nachrichtenformate „Sat.1 am Mittag“ und „Sat.1 am Abend“ ersatzlos streicht – wer braucht schon Nachrichten? – und keine 3 Tage später sich die Berichterstattung der Tour de France sichert.

Ok, Sat.1 hat durch den Wegfall der beiden Nachrichtenformate wieder ein paar Programmplätze/Sendeminuten offen, aber wie wurde doch gleich die Streichung begründet:

[…] Vielmehr gebe es seit längerem Überlegungen zu Kostenoptimierungen [… SPON]

Also entweder errechnen sich die Strategen bei Sat.1 für die Tour-Berichterstattung satte Gewinne oder hier ist etwas finanzplanungstechnisch gründlich in die Hose gegangen. Ganz logisch ist das auf den ersten Blick auf jeden Fall nicht …

5 thoughts on “Hallo Tour de France

  1. Doping ist tatsächlich die logische Konsequenz einer Wachstums- / Leistungsgesellschaft. Wer zuschaut, gibt über die Einschaltquote etc. seinen Stimmzettel ab und macht mit. Sofern ein Sender, der die Gebühren zwangsweise erhebt, die Austrahlung verweigert, unterstellt er dem Zuschauer Unmündigkeit. Das trifft teilweise (grösstenteils) wohl zu, dieser Sichweise wird aber nicht bemerkt und ist nur realistisches Abbild unseres gesellschaftlichen Diskurses. Einzige Alternative: selbst Rad fahren und weniger fern sehen.

  2. Ich finde es persönlich besser, wenn dem Zuschauer überlassen wird, was er gerne sehen möchte. Was masst sich den ARD und ZDF da an. Mein Interesse ist seit der letzten Tour auch so schon gleich 0. Ich finde es aber nicht gut, wenn gerade öffentlich rechtliche Sender dem Zuschauer Informationen vorenthalten. Ich fühle mich durch diese Aktion irgendwie entmündigt.
    Oliver

  3. Ich finde es sowieso total unangebracht, dass nun Sat 1 die Tour überträgt. Klar, es war abzusehen, dass es ein anderer Sender machen wird, da steckt ja auch viel Kohle dahinter. Torztdem einfach nur schlecht! Übrigens find eich es echt super, dass ARD und ZDF die Liveübertragung gestoppt haben. Dieser Doping-Sumpf nervt nur noch und macht die Tour einfach nur noch lächerlich.

  4. Den Kommerz lässt sich doch SAT 1 nicht entgehen! Die Tour de Pharma gewinnt doch alleine dadurch sicher Zuschauer.

    Und (nach den ganzen Vorfällen)… – hatte wirklich jemand geglaubt, dass die Tour einen Neuanfang wagt? Im Leben nicht. Rasmussens Weiterfahrt wäre unträglich gewesen – und als „Sieger“ untragbar.

    Aber machen wir uns nichts vor: die Tour (und der Radsport insgesamt) scheinen „verseucht“ zu sein: Erik Zabel und sein EPO, dessen früherer Zimmergenosse und Mit-Doper Rolf Aldag steht T-Mobile als Sportdirektor vor und Christian Henn tut dies bei Gerolsteiner. Die Liste der (Ex-)Doper lässt sich beliebig verlängern. Versprechungen wie „Neuanfang“ und „sauberer Sport“ machten vor dem Tour-Start die Runde. Die Deutschen spielten sich dabei als Vorkämpfer im Kampf gegen Doping auf. Als der positive Befund von Patrik Sinkewitz herauskam, passierte intern nichts. Auch der Sponsor T-Mobile bezeugte trotz gegenteiliger Ankündigung „Treue“ und will weitere „Prüfung“ nach der Tour vornehmen.

    Fazit: Brecht die Tour ab.

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